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Dennis Fitzek arbeitet konzentriert an einer Frisur im Salon.

STYLE Journal · Handwerk & Preisrealität

Was von 82 € für 60 Minuten wirklich übrig bleibt

Der Preis auf der Karte ist Umsatz, nicht Stundenlohn. Eine transparente Modellrechnung zeigt, welche Leistungen und Kosten in einer Friseurstunde zusammenkommen.

Die Kostenansätze sind ein bewusst vereinfachtes Rechenbeispiel, keine betriebswirtschaftlichen Ist-Zahlen des Salons.

Veröffentlicht am 14. September 2026 · Aktualisiert am 14. September 2026 · Von Dennis Fitzek

Von einem Bruttopreis von 82 € bleiben nach der enthaltenen Umsatzsteuer 68,91 € Nettoumsatz. In der folgenden Modellrechnung verbleiben nach beispielhaften Betriebs- und Zeitkosten 7,81 € – vor Ertragsteuern, Investitionen und unternehmerischem Risiko.

Wo das Friseurhandwerk momentan steht

Die Lage ist nicht mit einem einzigen Satz erklärt. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks bezeichnet 2025 als insgesamt stabil: Die Umsätze stiegen um 2,2 Prozent und die Nachfrage blieb hoch. Gleichzeitig belasten steigende Personal-, Material- und Energiekosten sowie Wettbewerbsdruck viele Betriebe; der Ausblick für 2026 wird als verhalten beschrieben.

Umsatzwachstum bedeutet deshalb nicht automatisch eine bessere Marge. Gerade in einem personalintensiven Handwerk wirken höhere Kosten unmittelbar. Nach Angaben des Zentralverbands entfallen rund 55 bis 60 Prozent der Gesamtkosten im Friseurhandwerk auf Personal. Preise müssen also nicht nur die sichtbare Behandlungszeit tragen, sondern den gesamten Betrieb.

Warum Friseurpreise sich entwickeln müssen

Wenn Personal, Sozialabgaben, Material und Energie teurer werden, muss ein Salon seine Preise regelmäßig neu kalkulieren. Der gesetzliche Mindestlohn stieg zum 1. Januar 2026 auf 13,90 € pro Stunde. Dieser Betrag ist nur die Lohnuntergrenze; zusätzlich entstehen Arbeitgeberanteile und Kosten für bezahlte Zeiten, die nicht vollständig als Kundentermine verkauft werden können.

Viele Betriebe stehen damit zwischen zwei berechtigten Erwartungen: Kundinnen und Kunden brauchen nachvollziehbare Preise, Mitarbeitende brauchen faire Vergütung und ein Salon muss wirtschaftlich tragfähig bleiben. Preisentwicklung ist deshalb nicht nur eine Frage des Materials, sondern vor allem eine Frage von Zeit und personalintensivem Handwerk.

82 € brutto sind 68,91 € netto

Für steuerpflichtige Umsätze gilt nach § 12 Umsatzsteuergesetz grundsätzlich ein Steuersatz von 19 Prozent. Bei einem Bruttopreis von 82 € wird die Umsatzsteuer nicht einfach mit 19 Prozent vom Brutto abgezogen. Sie ist bereits enthalten: 82 € geteilt durch 1,19 ergeben 68,91 € Nettoumsatz. Der enthaltene Steueranteil beträgt damit 13,09 €.

Die Rechnung: 82,00 € Bruttopreis − 13,09 € enthaltene Umsatzsteuer = 68,91 € Nettoumsatz.

Eine beispielhafte Kalkulation für 60 Minuten

Die folgende Rechnung ist ein bewusst vereinfachtes Modell. Tatsächliche Kosten unterscheiden sich je nach Salon, Standort, Team, Produktverbrauch und Auslastung. Sie macht sichtbar, welche Posten aus einem Endpreis getragen werden müssen.

PositionBetrag
Bruttopreis des Termins82,00 €
Enthaltene Umsatzsteuer− 13,09 €
Nettoumsatz68,91 €
Shampoo, Conditioner und Stylingprodukte− 3,50 €
Wasser, Strom und Wäsche− 2,80 €
Anteilig Miete, Nebenkosten und Reinigung− 9,50 €
Werkzeuge, Wartung und Verschleiß− 2,50 €
Versicherung, Buchung, Zahlung und Verwaltung− 3,50 €
Kaffee, Getränke und kleine Verbrauchsmittel− 1,30 €
Kalkulatorischer Zeit- und Personalkostenblock− 38,00 €
Verbleibender Betrag7,81 €

Diese 7,81 € sind noch kein privater Nettolohn. Daraus müssen unter anderem Investitionen, Rücklagen, Ertragsteuern und das unternehmerische Risiko getragen werden. Schon kleine Abweichungen bei Auslastung, Energie, Miete oder Produktverbrauch können den Betrag deutlich verändern.

Warum ein 60-Minuten-Termin mehr als 60 Minuten kostet

Zum Termin gehören nicht nur Schneiden, Föhnen oder Stylen am Platz. Beratung, Vorbereitung, Reinigung, Wäsche, Einkauf, Terminorganisation, Buchhaltung, Fortbildung und Zeiten ohne Kundschaft müssen ebenfalls finanziert werden. Außerdem lassen sich Krankheit, Urlaub oder kurzfristige Lücken nicht wie eine volle Behandlungsstunde verkaufen.

Ein wirtschaftlich tragfähiger Preis schützt deshalb nicht nur einen Betrieb. Er schafft die Voraussetzung für Zeit, Qualität, gute Produkte, gepflegte Werkzeuge und ein Handwerk, das langfristig ausgeübt werden kann.

Faire Preise brauchen Transparenz

Friseurpreise sollten nachvollziehbar sein, aber sie können nicht allein über Minuten oder Haarlänge erklärt werden. Aufwand, Technik, Produktmenge und Ausgangssituation spielen zusammen. Eine Beratung vorab hilft, Leistung und Preisrahmen realistisch einzuordnen.

Die Modellrechnung soll nicht rechtfertigen, dass jeder Salon denselben Preis verlangt. Sie zeigt, warum ein Endpreis nicht mit dem persönlichen Verdienst der Friseurin oder des Friseurs verwechselt werden darf.

Quellen und Einordnung

Leistung und Preis persönlich klären

Vor aufwendigeren Farbterminen wird der realistische Umfang im Beratungsgespräch eingeordnet.

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